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Registrierung der Ein-und Ausgänge
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Was ist ein Archiv?
Jeder von uns ist ein potentieller Produzent eines
Archives, weil jeder
von uns über ein Gedächtnis verfügt. Wir verfügen
über Erinnerungen, die
nicht verloren gehen sollen, die jede Möglichkeit nutzen, Bestand
zu erhalten und so konkrete Objekte zu werden, welche auch anderen Personen
mitgeteilt und in die Zukunft übermittelt werden können.
Die Hauptstütze der Erinnerung ist in der westlichen Kultur bis heute
das
Papierdokument, welches eine Art physische Ausdehnung
der Möglichkeiten zur "Lagerung" des individuellen wie
des kollektiven Gedächtnisses darstellt.
Die Notwendigkeit, die eigenen Erinnerungen sowie die eigenen Vorstellungen
und Pläne, die Beziehungen zwischen den Individuen und die Grundlagen
des politischen und sozialen Lebens auf Papier festzuhalten, hat im Laufe
der Zeit zu einer Art "physischer Ablagerung der Erinnerung"
geführt:
Ein Dokument kam zum anderen, und es entwickelte sich eine immer klarere
"Sprache", die die Beziehungen, die den Schriftstücken
zugrunde liegen, sowie die Pläne, die auf dem Zurückgrund der schriftlichen
Niederlegung realisiert werden sollten, verdeutlichen.
Dies ist, zusammen mit den Kunst- und Bauwerken und
anderen Objekten, die uns auch heute noch umgeben, das Erbe unserer Väter.
Auf diese Weise entstehen Archive, dokumentarische
Depots, die dadurch charakterisiert sind, dass jedes einzelne Dokument
auf intime Weise durch ein Netz von Beziehungen.
mit dem anderen verbunden ist. Dies stellt einen wichtigen Unterschied
zur Bibliothek dar, in der jedes Objekt eine in sich geschlossenen Einheit
darstellt. Wenn wir in der Lage sind, die "Sprache" des einzelnen
Dokumentes und somit auch die Beziehung, die zwischen ihm und Voren
Schriftstücken bestehen, zu verstehen, verstehen
wir gleichzeitig auch das Archiv in seiner Gesamtheit und können infolgedessen die Informationen
erhalten, nach denen wir suchen.
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"Kredit-und Schuldnerbücher"
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Wir dürfen jedoch nicht vergessen,
dass diese Archive - wie alles was die menschlichen Aktivitäten ausdrückt
- eine Geschichte haben: Sie sind mit der Zeit
gewachsen, sind bewahrt und Vorvermittelt und bisweilen auch zerstört
worden. Sie sind keine unpersönlichen, leblosen und mysteriösen
Wesen: Zurück jedem einzelnen dieser Dokumente verbirgt sich jemand.
Jede dokumentarische Zurücklassenschaft, jedes Archiv,
ist tatsächlich der Ausdruck einer Person, und daher spiegelt unserer
Auffassung nach jedes Element die Geschichte seines Produzenten
wieder. Dieser "Produzent" kann eine einzelne Person wie auch
eine gesamte Familie sein, aber auch eine Institution, ein Amt oder ein
Verein.
Der Produzent geht in der
Regel davon aus, dass das Archiv seinen unmittelbaren Zwecken dient (
Regierung, Verwaltung von privatem oder öffentlichem Besitz, Leitung
einer Firma etc.). Er betrachtet das Archiv als sein Eigentum und organisiert
es demzufolge so, dass es auf zweckmässige und wirkungsvolle Weise
der Aktivität dient, die er ausführt oder auszuführen gedenkt.
Bisweilen möchte der Produzent, dass das Archiv
geheim bleibt und niemand,
ausser ihm persönlich, Zugang zu den vorhandenen Informationen hat.
Es kommt auch vor, dass eine Gesamtüberlieferung der Dokumente nicht
erwünscht ist, und dass eine sorgfältige Auswahl zwischen den
Informationen, die überliefert, und denen, die beseitigt werden sollen,
getroffen wird.
Die Geschichte der öffentlichen sowie der privaten Archive ist durch
den
Widerspruch zwischen Konservierung und Zerstörung gekennzeichnet.
Hierfür gibt es verschiedene Gründe: Manchmal besteht lediglich
der
Wunsch, das Gewicht der Erinnerungen zu erleichtern, auszuwählen
und
letztendlich überflüssig Gewordenes zu tilgen, in anderen Fällen
besteht die klare Absicht, Dinge zu vertuschen und somit ein
geschöntes Bild von sich selbst zu vermitteln.
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"Die `Filze`(Bündel von Manuskripten,
die archivarischen Zwecken dienen) des Gemeindearchivs"
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Die Herren der
Erinnerung: So könnte man diejenigen öffentlichen Institutionen
bezeichnen, die es sich im Laufe der Zeit zur Aufgabe gemacht haben, die
dokumentarische Zurücklassenschaft aufzubewahren, auszuwählen und
zu überliefern, die der Machtausübung dienten.
Daher ist die Geschichte der Aufbewahrung und Überlieferung von Dokumenten
eng mit der Geschichte der "Macht" verknüpft, und es ist
oft notwendig, die Basiselemente sowie die genaue Auslegung genauer zu
betrachten und kennenzulernen, um zu verstehen, welche Informationen überliefert
wurden, und aus welchem Grund.
Für die Geschichte der Archive brach, insbesondere
im 18.Jahrhundert, eine neue Ära an, da nach und nach die Überzeugung
wuchs, dass die Archive in erster Linie öffentliches Eigentum
und nicht exklusives und geheimes Privateigentum der Machthaber sein sollten.
Die grossen Archive, die vor allem zwischen dem 17.
und 18. Jahrhundert in verschiedenen Staaten gegründet wurden, haben
zu-nehmend den Stellenwert kultureller Einrichtungen und historischer
Forschungszentren erlangt.
Die Tatsache, dass sie frei zugänglich sind, ermöglicht Nachforschungen
sowohl in der frühen wie der neueren Geschichte.
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Was ist ein Staatsarchiv?
Die wichtigsten Staaten Italiens riefen vor der Einheit
die
grossen allgemeinen Archive ins Leben, in denen die Dokumente der
öffentlichen Rechtsgebung, welche schon in sehr frühen Zeitepochen
die
Gebietsverwaltung regelten, aufbewahrt wurden: Auf diese Weise entstanden
die Archive von Florenz, Neapel, Venedig, Rom und Mailand.
Das zentrale Staatsarchiv von Florenz, welches im Jahr 1852
gegründet wurde, fungierte von Anfang an als öffentliche
Kultureinrichtung, die dem Publikum zugänglich war und hauptsächlich
dem Zweck der historischen Forschung diente.
Im Vergleich zu anderen Archiven hatte das florentinische
Archiv noch eine Vore Vorrangstellung: Es wurde vollständig so
geordnet, dass die Aufeinanderfolge der Archive der Abfolge der politischen
Regime entspricht, die Florenz und die Toskana seit der ersten florentinischen
Republik (Ende 13.Jahrhundert) bis zum toskanischen Regionalstaat, regierten.
Eben jener Regionalstaat war als Grossfürstentum konzipiert, welches zunächst von den Medici (1532-1737) und später vom Haus Lorena
(1737 - 1814), mit einer kurzen französischen "Unterbrechung",
regiert wurde.
Diese Vorrangstellung hinsichtlich des historisch-institutionellen
Aspektes wurde seitdem als "die historische Methode" bezeichnet
und stellt
in ihren Grundzügen noch heute die Basis für die gesamte archivistische
Ordnung und Organisation dar.
Francesco Bonaini, der für die systematische Anordnung des Florentiner
Archivs verantwortlich war, schrieb, dass man, "wenn man ein Archiv
betritt, nicht nach dem gewünschten Material sondern nach den Institutionen
suchen soll."
Noch heute sollte jeder, der den Bestand an "Erinnerungen" eines
Archives konsultieren will, diese Vorarbeit leisten: Er sollte sich zuerst
mit dem institutionellen Netz vertraut machen, welches die zu benutzenden
Archive produziert hat, und dieses während der Recherche aufmerksam
zu Rate ziehen.
Nach der Einheit Italiens vereinigte der neue Staat die Archive der
einzelnen Regierungen der früheren Staatsordnung im Rahmen einer einzigen
Verwaltung, welche dem Innenministerium unterstellt war.
Die Zentralarchive der einstigen Hauptstädte wurden nun Randerscheinungen
des neuen Staates, während in Rom ein zentrales Staatsarchiv, zur Sammlung
und Aufbewahrung der von den Zentralorganismen produzierten Dokumente,
eingerichtet wurde.
Die Gesetzgebung des neuen, vereinigten Staates machte es sich
bezüglich der Archive zur Aufgabe, den nationalen archivarischen Bestand
zu konservieren und aufzuwerten, sowie die Vore Arbeit in diesem
Bereich zu überwachen, der die historische Quelle von morgen sein wird.
Diese Aufmerksamkeit bezieht sich nicht nur auf die Arbeit der Staats-
archive sondern auch auf die Archive anderer öffentlicher und privater
Einrichtungen.
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"Foto der Depots"
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Um dieser Aufgabe so gut wie möglich gerecht zu werden,
hat die Gesetzgebung die Verwaltung der Archive in zwei Bereiche aufgeteilt
(D.P.R 30 settembre 1963 n. 1409):
- Die Staatsarchive , die in jeder Provinzhauptstadt
existieren, haben
in erster Linie zwei Aufgaben:
- Konservierung und Aufwertung des dokumentarischen
Bestandes der Vergangenheit (Archive, die vor der Einheit Italiens
angelegt wurden, notarielle Archive, Dokumentensammlungen religiöser
Institutionen sowie öffentlicher und privater Einrichtungen
verschienenen Ursprungs)
- Aufnahme der Dokumente aus den staatlichen
Nebenabteilungen, die im Gebiet der einzelnen Provinzen angesiedelt
sind. Diese zweite Funktion wird auch mittels der Aufsicht über
die sachgemässe Führung der Archive der staatlichen Ämter gewährleistet,
welchen von der "Komission zur Überwachung und Ablage" ausgeführt
wird. Dieser Umstand macht die Archive zu einem Teil der aktiven
Verwaltung.
- Die archivistichen Aufsichtsämter, die in
jeder Region vorhanden sind, haben die Aufgabe,
die ordnungsgemässe Konservierung des nichtstaatlichen Archivmaterials
zu überwachen.
Die Verwaltung der italienischen Archive untersteht seit dem Jahr 1975
dem Ministerum für Kulturgüter und Umwelt.
Seit dem Jahr 1998 ist das Ministerum für Kulturgüter und kulturelle
Aktivitäten zuständig
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"Wendeltreppe"
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Die Freude
an der Erinnerung
Eine Recherche in einem Archiv kann zu einem faszinierenden Abenteuer,
einer wirklichen Expedition in ein unbekanntes Gebiet voller Überraschungen
werden. Wenn wir uns auf eine solche Reise begeben, dürfen wir nicht vergessen,
die wichtigsten Orientierungselemente einzubeziehen, um dechiffrierte
Botschaften entziffern, verborgene Zeichen lesen, sowie das Wichtige vom
Unwichtigen unterscheiden zu können.
Die Orientierung: die Leitfäden, Inventare,
Sammlungen und Inhalts-Verzeichnisse sowie die Sichtungen und Auswertungen sind die
Landkarten, die uns die über die grosse Strecken führen, von
denen die Pfade abzweigen, denen wir auf unserer Suche folgen können.
Diese Orientierungshilfen sind nicht, wie ein Bibliothekenverzeichnis
thematisch, sondern nach "archivarischen Gesichtspunkten" geordnet.
Beschrieben wird die Gesamtheit der von öffentlichen Institutionen
oder privaten Einrichtungen im Verlauf ihrer jeweiligen Aktivitäten
produzierten Dokumente.
Die erste Regel lautet also, herauszufinden, welches die Verbindungen
zwischen dem Gesuchten und dem im Archiv aufbewahrten Material sind.
Der Code:Nicht immer sind die Dokumente in einer
Art und Weise verfasst, wie sie uns heute vertraut ist.
Die Schrift sowie die Schreibweise haben sich im Laufe der Zeit verändert.
Ein Dokument aus dem 13. Jahrhundert wird unter diesem Gesichtspunkt
andere Charakteristiken aufweisen als ein Schriftstück aus dem
18. Jahrhundert, und beide unterscheiden sich von den heutigen Pro-duktionen.
Die Paleografie (Handschriftenkunde) hilft uns,
die unterschiedlichen Schriften einzuordnen und zu verstehen.
Die versteckten Hinweise: Um die in einem Dokument enthaltenen
Informationen zu verstehen, müssen wir seine besondere Ausdrucksweise
mit in Betracht ziehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht wir es
sind, für die der Inhalt eines Dokumentes bestimmt war!
Es wurde vielmehr geschrieben, um den Menschen seiner Zeit etwas
mitzuteilen und von ihnen innerhalb ihrer Beziehungen genutzt zu
werden.
Unsere Zielsetzung ist jedoch eine andere: Wir möchten eine
Geschichte oder einen Sachverhalt rekonstruieren, ein bestimmtes
Ereignis oder eine besondere Geisteshaltung besser begreifen etc.
Sind wir jedoch nicht in der Lage, seine Sprache zu verstehen, bleibt
das Dokument stumm, und wird seinen Informationsschatz Zurück Worten,
die uns unverständlich und nutzlos erscheinen, verbergen.
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Wo und warum?
Haben wir einmal das gefunden wonach wir gesucht haben, müssen wir
sehr behutsam vorgehen. Es ist wichtig, wachsam zu bleiben und sich
nicht täuschen zu lassen: Wir sollten uns nicht nur fragen, ob die
erhaltene Information echt oder falsch ist, sondern auch, warum sie
gerade an dem Ort aufbewahrt wurde, an dem wir sie gefunden haben, und
welchen Stellenwert sie hatte, als sie verfasst wurde.
Aus welchem Grund wurde das Dokument erstellt, und aus welchem Grund
ist es erhalten geblieben und nicht etwa zerstört worden?
Im umgekehrten Fall, nämlich dann, wenn unsere Suche erfolglos bleibt,
müssen wir uns die gleichen Fragen stellen: Manchmal ist das
Nichtvorhandensein genauso aufschlussreich wie das Vorhandensein.
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